Studie untersucht wie sich Patienten aktiv auf schwere Krebsoperationen vorbereiten können
Eine große Krebsoperation ist für den menschlichen Körper eine extreme Belastung, vergleichbar mit einem Marathonlauf. Die moderne Medizin setzt auf Vorbereitung: Wer trainiert an den Start geht, kommt schneller und sicherer ans Ziel, so die Hypothese der Forscher. Das Klinikum Fulda übernimmt nun die Federführung eines zukunftsweisenden Projekts, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund 3,8 Millionen Euro gefördert wird. Unter der Leitung von Prof. Dr. Robert Schier, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin, wird die multizentrische „PREHAB“-Studie mit Studienzentren in Köln, Berlin, Tübingen und Mainz künftig von Fulda aus gesteuert.
Mit der sogenannten „Prähabilitation“ – also der „Reha-vor-einer-OP“ – sollen Patienten durch gezieltes körperliches Training, Ernährungs- und psychologischer Optimierung, bestmöglich auf den Eingriff vorbereitet werden. Ziel der Forscher ist es, dieses Modell zukünftig als neuen Standard in der modernen Medizin fest zu verankern. Damit lassen wir die Zeit hinter uns, in der Patientinnen und Patienten untätig auf ihre Operation gewartet haben“, erklärt Prof. Dr. Robert Schier, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin am Klinikum Fulda und Leiter der Studie. „In der sogenannten PREHAB-Studie erforschen wir, wie sich gezieltes körperliches Training vor einem operativen Eingriff auswirkt. Ziel ist es, den Betroffenen zu ermöglichen, ihren Genesungsprozess aktiv zu unterstützen. Im Kern steht dabei eine einfache, aber zentrale Frage: Was kann ich selbst tun, um meine Erfolgsaussichten zu steigern?“
Das Konzept: Den Körper auf „Sieg“ programmieren
Die Studie untersucht die sogenannte multimodale Prähabilitation. Das bedeutet, dass Patienten in den Wochen vor einer geplanten Tumoroperation im Bauchraum ein intensives Vorbereitungsprogramm durchlaufen. Dieses ruht auf drei Säulen:
1. Gezieltes körperliches Training: Ein spezielles Intervalltraining steigert die Herz-Lungen-Fitness in kürzester Zeit.
2. Optimierte Ernährung: Hochkalorische Eiweißkost wirkt der tumorbedingten Auszehrung entgegen.
3. Psychologische Stärke: Entspannungstechniken helfen, die psychische Belastung und den Operationsstress zu senken.
Fulda als Motor der Spitzenforschung
Obwohl die administrative Verwaltung des Projekts aufgrund der Historie aktuell noch in Köln liegt, schlägt das Herz der Studie bereits in Fulda. Die DFG-Mittel sind personengebun-den an Prof. Dr. Schier vergeben, weshalb die vollständige Steuerung bereits von Osthessen aus erfolgt. Zukünftig soll das Forschungszent-rum am Campus Fulda auch als zusätzlicher Standort für das aktive Patiententraining in die multizentrische Studie eingebunden werden.
Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel, Sprecher des Vorstands des Klinikums Fulda, sieht darin einen Meilenstein: „Dass ein Projekt dieser Größenordnung und wissenschaftlicher Relevanz von Fulda aus gesteuert wird, unter-streicht unsere Ambition als Hochleistungsmedizinischer Standort. Wir investieren viel in die Qualität unserer Mitarbeitenden und in die technische Ausstattung, aber eben auch in die Lebensqualität unserer Patienten. Unser Ziel ist klar definiert: Wir wollen ein deutschland-weit einzigartiges ‚Präoperatives Zentrum‘ hier vor Ort in Fulda aufbauen.“
Rückenwind aus Politik und Wissenschaft
Auch für die Stadt Fulda hat das Projekt eine strategische Bedeutung. Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Heiko Wingenfeld betont die Strahlkraft für die Region: „Die Ansiedlung dieses DFG-gesteuerten Forschungszentrums ist ein klares Signal: Fulda ist ein attraktiver Standort für innovative Wissenschaft. Es freut mich besonders, dass hier Forschung betrieben wird, die unmittelbar bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommt und den medizinischen Fortschritt direkt ans Krankenbett bringt.“
Durch die enge Verzahnung mit der Philipps-Universität Marburg im Rahmen des Campus Fulda wird zudem die akademische Basis gestärkt. Prof. Dr. med Michael Hertl, Dekan des Fachbereichs Medizin der Philipps-Universität Marburg ergänzt: „Die Kooperation zwischen Marburg und dem Campus Fulda trägt Früchte. Die PREHAB-Studie ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie universitäre Spitzenforschung und die Versorgung in einem Klinikum der Maximalversorgung synergetisch zusammenwirken, um neue Versorgungsstandards zu definieren.“
Investition in die Zukunft: Kassenleistung im Visier
Das Projektvolumen ist beeindruckend: Das ursprüngliche Budget von 2,8 Mio. Euro ist durch ein spezielles Anreizsystem bereits auf ca. 3,45 Mio. Euro angewachsen. Inklusive weiterer Bonifizierungen wird mit einer Ge-samtsumme von knapp 3,8 Millionen Euro gerechnet. Das langfristige Ziel der beteiligten Forscher aus Fulda, Köln, Berlin (Charité), Mainz und Tübingen ist klar: Wenn der wissenschaftliche Nachweis erbracht ist, dass Prähabilitation Komplikationen senkt und die Genesung beschleunigt, soll das Programm eine Regelleistung der Krankenkassen werden. Damit wäre der Weg frei, dass jeder Patient in Deutschland – unabhängig vom Wohnort – die Chance erhält, trainiert in das „Rennen seines Lebens“ zu gehen.